Motivation für Softwareteams II – Unterbrechungen

Nichts demotiviert einen Softwareentwickler mehr, wenn man nicht zum Programmieren kommt. Wir sind Programmierer und wollen nicht ständig unterbrochen werden oder unsere Zeit in nicht relevanten Meetings verbringen. Dieser Teil meiner Blog-Serie handelt also darum, dass Entwickler wieder mehr Zeit bekommen, sich um den Code zu kümmern. Mich hat es als Team Leiter mit Entwicklungsanteil immer wieder motiviert, sich wirklich einen Tag lang um den Code zu kümmern. Das macht Spaß!

It is Coding Time!

Hiermit schließt man einfach die gesamte Softwareentwicklung gegen Störungen für ein paar Stunden am Tag. Während dieser Zeit kann man sich dann ausschließlich ums hacken kümmern. Telefongespräche sollten während dieser Zeit vermieden und die Telefone auf Stumm geschaltet werden. Ein Schild an der Tür weist darauf hin, dass Störungen nur im Notfall gestattet sind. Auch kann ich empfehlen, während dieser Zeit das Emailprogramm zu schließen. Kann eine Diskussion mit einem Kollegen nicht bis nach der Codezeit warten, sollte man sich außerhalb der Coding-Area unterhalten, um andere Mitarbeiter bei Ihrer Konzentration nicht zu stören.

Wie denkt das Management oder andere Abteilungen darüber, wenn spontane Ideen nicht mehr sofort an die Programmierer rangetragen werden können, oder dass eine Anfrage maximal 3 Stunden liegenbleibt? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass darauf positiv reagiert wird. Andere Abteilungen oder auch der Chef selber würden auch gerne eine Zeit einführen, in der sie ungestört arbeiten können. In der Anfangsphase braucht es ein wenig dicke Haut, um Kollegen auf die Codingzeit hinzuweisen. Aber nach ein bis zwei Wochen hat jeder diese Zeit am Tag für sich abgespeichert. Man weiß, dass man die Softwareentwicklung während dieser nicht ansprechen kann.

Was die beste Zeit am Tag ist und wie lang diese Zeit sein sollte ist natürlich sehr individuell. Bei uns hat sich die Zeit nach dem Mittag bis 16:00 als sehr praktikabel erwiesen,  da man schon alle wichtigen Emails beantwortet hat und  das Stand Up schon gelaufen ist.

Und dann? Programmieren, in den Flow kommen und mal richtig was schaffen!

Der, der den Hut auf hat!

Eine andere Möglichkeit, Unterbrechungen zu vermeiden, ist die Rolle des Ansprechpartners. Hier wird ein Mitarbeiter ausgewählt, das Team zu repräsentieren. Alle Anfragen gehen an ihn. Um den Kollegen für andere Abteilungen als Ansprechpartner sichtbar zu machen, kann dieser einen bestimmten Hut aufsetzen. Er hat dann für den Tag für Supportfragen den HUT auf,  oder man stellt eine Figur oder Trophäe auf den Schreibtisch, die ihn eindeutig als Ansprechpartner ausweist. Am nächsten Tag übernimmt dann ein anderer Mitarbeiter diese Rolle. Das setzt allerdings voraus, dass es im Team keine ultimativen Spezialisten gibt sondern jeder theoretisch den Job des anderen übernehmen kann.

Manchmal kann man nicht alle Fragen selbst beantworten und man braucht den Rat eines Team-Kollegen. Hier kann man dann Anfragen in einem Ticketsystem wie JIRA festhalten und dem Mitarbeiter zuordnen. Dieser kann dann die Anfrage bearbeiten, wann es ihm zeitlich passt.

Nach meiner Meinung können 90% aller Anfragen durch Kollegen warten. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, bei dem eine Antwort oder Aktion sofort benötigt wird. Nur weil jemand eine gute Idee hat und somit aus seiner Konzentration  gerissen wurde, heißt es nicht, dass er andere stören kann. Wir arbeiten nicht alle an Software für Kernreaktoren, deren Super Gau gerade bevorsteht, wenn wir nicht einen boolschen Ausdruck sofort umdrehen. Endlich Zeit zu haben, sich um den Code zu kümmern, ist für Programmierer ein Supermotivator!

Noch immer nicht motiviert?

Hier gibt’s mehr:

Einführung
Teil 1: DogFooding
Teil 3: Anerkennung
Teil 4: Brown Bags
Teil 5: FedEx Days
Teil 6: 20% Time
Teil 7: Spaß haben und Gutes tun

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